Wegweiser für die Traditionspflege im Heer Abschrift (ohne Anlagen) der unter Aktenzeichen Fü H I 1 - Az 35-31-01 vom Inspekteur des Heeres in Kraft gesetzten Ausgabe vom 1. Dezember 1999 Hinweise ...... 4.30 Die Nationale Volksarmee (NVA) In Gesprächen über die Traditionswürdigkeit der NVA werden häufig folgende Auffassungen vertreten: "Die NVA war die Streitkraft des anderen deutschen Staates, der DDR. Zwischen ihr und der Bundeswehr gibt es keinen Unterschied!" "Die NVA war eine Parteiarmee. Die Soldaten, die in ihr dienten, waren zum bedingungslosen Gehorsam gegenüber der SED verpflichtet! Die Offiziere waren zu 97% Mitglieder der SED!" "Die Soldaten, die in der NVA dienten, leisteten ehrenvollen soldatischen Dienst. Ausnahmen gab es nur bei den Grenztruppen. Die Volksarmisten fühlten sich ihrem Vaterland DDR genauso verpflichtet wie die Soldaten der Bundeswehr der Bundesrepublik Deutschland." "Für uns muß auch die NVA traditionswürdig sein. Sie ist eine Deutsche Armee und Bestandteil der Geschichte." Hintergrund Nationale Volksarmee (NVA) war die Bezeichnung für die Streitkräfte der Deutschen Demokratischen Republik. Sie bestand aus den Landstreitkräften, den Luftstreitkräften sowie der Volksmarine. Die Friedensstärke der NVA betrug ca. 174.000 Soldaten. Im Falle einer Mobilmachung wären die 47.000 Mann der "Grenztruppen der DDR" in die NVA eingegliedert worden, so daß mit einzuberufenden Reservisten eine Gesamtstärke von 400.000 Soldaten hätte erreicht werden können. Überlegungen Bundeswehr und Nationale Volksarmee sowie ihre Einbindung in die jeweiligen Bündnisse sind wesentliche Kennzeichen deutscher Militärgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg. Zwischen beiden Armeen gab es substantielle Unterschiede. Dies wird bei der NVA schon an folgenden Kernpunkten deutlich: - Fahneneid: "Ich schwöre der Deutschen Demokratischen Republik, meinem Vaterland, allzeit treu zu dienen und sie auf Befehl der Arbeiter- und Bauernregierung gegen jeden Feind zu schützen. Ich schwöre, an der Seite der Sowjetarmee und der Armeen der mit uns verbündeten Länder als Soldat der Nationalen Volksarmee jederzeit bereit zu sein, den Sozialismus gegen alle Feinde zu verteidigen und mein Leben zur Erringung des Sieges einzusetzen..." - Verflechtung zwischen der NVA und der SED. Die Mehrzahl der Vorgesetzten in der NVA gehörte der SED an. Der Dienstbetrieb wurde intensiv von den "Stellvertretern für die politische Arbeit" aller Ebenen beeinflußt, die zum einen den truppendienstlichen Vorgesetzen und zum anderen dem "Politorgan" der vorgesetzten Dienststelle unterstellt waren. Deshalb kann die NVA für die Bundeswehr keine Tradition begründen. Dies schließt, aber nicht aus, daß Soldaten, die in der NVA gedient und sich menschlich anständig verhalten haben, unsere Achtung verdienen und in geeigneten Fällen auch als Vorbild einbezogen werden können (=> 4 - 14). Viele Soldaten der NVA versahen ihren Dienst im guten Glauben an ihren Staat. Nur ganz wenige junge Männer konnten sich vor ihrer Einberufung in die NVA der Indoktrination durch das politische System entziehen. Offene Grenzen und die Informationsfreiheit, wie sie für den Bundesbürger in der alten Bundesrepublik selbstverständlich waren, fehlten. Nach dem Mauerbau 1961 gab es nur wenige Möglichkeiten zu Kontakten in nichtsozialistische Länder. Dies ist bei einer Beurteilung der NVA stets zu berücksichtigen. Die ZDv 10/1 stellt heraus: "Unstrittig ist daß die mit der Vereinigung Deutschlands aufgelöste Nationale Volksarmee wegen ihres Charakters als Partei- und Klassenarmee eines kommunistischen Systems keine Tradition für die Bundeswehr stiften kann." -------------------------------------------------------------------------------- Merke: - Die NVA war eine Partei- und Klassenarmee auf der Basis der allgemeinen Wehrpflicht. - Die Orientierung der NVA an der sozialistischen Ideologie und ihre Einbindung in das System des Warschauer Paktes werden unter anderem im Fahneneid deutlich. - Viele Menschen leisteten ihren Dienst in der NVA guten Glaubens an ihren Staat. Es ist nicht zu rechtfertigen, denen die Achtung zu versagen, die sich nichts Ehrenrühriges haben zuschulden kommen lassen. --------------------------------------------------------------------------------