Die mit dem Übergang zur "Perestroika" verbundenen Orientierungsschwierigkeiten und die Ereignisse im Herbst 1989 gingen relativ unberührt am Leben in der
Fla Abteilung 4133 vorbei. Wie auch immer zuvor wurde Schwerpunkt auf Disziplin, Ordnung und Sauberkeit ( wir sind hier beim Militär) gelegt.
Alle Soldaten versahen weiterhin ihren Dienst. Schwerpunkt war der hohe Ausbildungsstand. In der FRA
4133 kam es zu keinen Unruhen und Arbeitsverweigerungen durch Soldaten .
Eines Tages
kamen 3 Angehörige der Bundeswehr in die FRA 4133. Wir hatten Tage zuvor
im B Objekt alles gefegt , gepinselt und vor allem die Kampftechnik vorbereitet
und abgestimmt . Mit der Trainingskabine AKKORD führten wir ein typisches
Training der Funkorter und Gefechtsstandbesatzung vor. Die Trainingskabine kann
nur 6 Ziele gleichzeitig auf die Raketenleitstation darstellen .
Ziele flogen , wurden dem Leitoffizier
vom Schiessenden zugewiesen , aufgefasst und begleitet. Danach kam das
Vernichtungskommando , die elektronische Rakete flog. Nach K3 kam die Abmeldung
an den Schiessenden.
Im Herbst 1990 , nach einem Jahr Ungewissheit ,
wurde die Auflösung
der Abteilung befohlen. Die Fla Raketenabteilung wurde in 14 ( ! ) Tagen von allem militärischen befreit .
Das Waffensystem, einschließlich Flugkörper, wurde am 5. Dezember 1990 nach Ladeburg überführt .
In der technischen Zone der 41. FRB Ladeburg wurden die Flugkörper vollständig demontiert und
verpackt .
Die
Truppenunterkunft dient heute einer kleinen Firma als Produktionsräume. Die
Stellung mit Bunkern etc. wird von einer Baufirma genutzt.
Ein System NEVA steht jedoch heute in den USA, Nähe El Paso und wird für die Ausbildung des fliegenden Personals genutzt. Ein weiteres wird in England zur Ausbildung betrieben.
Die letzten Tage in der NVA , Herbst 1989 bis zum Sommer
1991 II
Aus dem Leben der FRA 4133 , 41.FRB
Berlin
Am Seminar in den alten Bundesländern
nahmen aus der Fla Raketenabteilung 4133 die lebensälteren Vorgesetzten teil .
Die jungen und dem Neuen aufgeschlossenen BU und Offze wurden nicht mitgenommen.
Bezeichnenderweise waren von diesen
Vorgesetzten in höheren Dienstgraden ab Herbst 1991 niemand mehr dabei. Es
blieben die jungen BU und Offiziere.
Einige Herren der alten Garde versuchten
in der neuen PDS Partei ihren Einfluss und die alte Politik weiter zu
verbreiten. Erst eine Beschwerde an das Ministerium setzte dem Treiben ein Ende.
Die Parteiversammlungen fanden ab jetzt außerhalb der Kaserne statt.
Die alte Obrigkeit nahm bis zum letzten
Tag Einfluss. Schnell waren die Entscheidungsträger der Bundeswehr ausgemacht.
Gegenseitige Besuche und Einladungen bis in den privaten Bereich brachten
wertvolle Beziehungsgeflechte. Die Obrigkeit der 4133 beriet den
Personalstabsoffizier , wer von den seinen Unterstellten für die Bundeswehr ( !
) geeignet wäre und wer nicht.
Plötzlich hatte die Obrigkeit die
Demokratie erfunden. 180 ° gedreht und weiter , genauso wie bisher. Wir jungen
Vorgesetzten waren die Deppen und rieben uns die Augen . Jetzt wurde mir von den
selben Herrschern , genau das Gegenteil erzählt von dem erzählt, was bis vor
einem Jahr lautstark und gegen Widerstand und Abweichler durchgesetzt wurde .
Wir wollten den Umschwung , jetzt wurde uns erklärt wie der Umschwung geht ...
Dabei hatte ich schon längst meine eigene Meinung gebildet ... Aber die
Wortführer waren wieder die alten Herrscher.
Ab Juli 1991 war sich selbst überlassen,
der Chef war weg in die alten Bundesländern zu höheren Weihen auf dem Weg zum
Berufssoldaten der Bundeswehr.
Peters 3 /2010
Frühsport
Der
Minister hat Härte befohlen ...
DV 010/0/002
Durch den Frühsport sind bei den AA die körperliche Leistungsfähigkeit zu
erhalten und zu steigern, der Organismus an den Wechsel von Ruhe und Belastung
anzupassen, Charakter und Willenseigenschaften herauszubilden und die
Widerstandsfähigkeit zu stählen und zu erhöhen.
6 Uhr. Ich liege und döse. Ich
bin wach und weis : gleich geht es wieder los. Und noch so lange bis zu Hause,
zur Frau und zum kleinen Sohn.
Noch die letzten Minuten
Privatsphäre für mich ganz allein. Einen zivilen Schlafanzug habe ich an. Der
Rest vom zivilen Leben wurde mir genommen.
Triller , Triller. Der UVD
brüllt : 63. Kompanie ! Nachtruhe beenden. Fertigmachen zum Frühsport. In genau
5 Minuten , um 6:05 Uhr ist anzutreten beim UvD.
Raus aus dem Bett , runter springen aus dem
Doppelstockbett. Rot- gelb anziehen, Socken und Stiefel an. Maskentasche
umhängen.
Raus auf den Gang. Antreten.
Die Neukranken haben nur die rote Hose an. Oberkörper frei ist befohlen.
Handtuch und Waschtasche sind bei. Der Zug rückt ab , die Kranken machen
Morgenwäsche.
Rechts um , ohne Tritt-
Marsch. November, Kälte am Morgen. Es ist dunkel draußen. Stille. Niemand
spricht. Alle sind noch beduselt von der Nacht. 90 Mann in 3er Reihe . Auf
geht's. Die Runde rechts lang , dann hoch zum Feuerlöschteich bei FID. Links
lang und wieder runter. 3 Runden.. Pflastersteine.
Keuchen und stampfen auf dem
Kopfsteinpflaster. Die Maskentasche drückt. Laufen mit Stiefeln ist so
anstrengend.
Ran an den Waschtrog , Zähne
putzen. Duschen gibt es nicht. Gesicht und Oberkörper mit kaltem Wasser
abwaschen.
Ich laufe diese Strecke 5 mal
die Woche. Auf dem Sportplatz bei Oberstleutnant Pönisch laufe ich die 3000 m
unter 11: 10 . Mit Maske und Stiefeln sind es nur ( ! ) 2000 m zu laufen am
Morgen.
Mit Turnschuhen 3000 m oder 3 Lange ewige Runden.
Pönisch mag uns. Wir sind
Diamanten, er schleift uns zurecht.
Auf dem Sportplatz , hinten zum Nebentor
raus. 3000 m Lauf. Er steht am Zieleinlauf und zählt laut an. Wer bis 11 Minuten
10 Sekunden nicht an ihm vorbei ist - "darf "weiter laufen.
Noch einmal die 3000 m . Für die anderen " Glücklichen " , die die
Norm geschafft haben , gibt es eine
Überraschung und Leckerbissen : Fussball. Oh welch " Freude ".
An einem Freitag geht es in
den VKU. Früh 7: 30 Uhr stehen wir entspannt oben auf dem Ex Platz . Pönisch steht vor
uns. Der Zughelfer macht zackig Meldung ( OS Hahn ). Die schwarze Truppe (
Schwarzkombi)
steht in 3er Reihe . Unsere Unterkunft ist gleich neben an. Noch einmal
Sturmbahn , dann 50 m zum Gebäude und dann ist Urlauberappell . Ab nach Hause...
Denkste , Nö.
Wer die Sturmbahn 7 mal ( ! )
am Stück bewältigt hat darf sofort losfahren in den Urlaub. "Argh " , Schluck.
Nach dem 3 mal denkt man es geht nicht mehr. Doch es geht irgendwie .Wie ein
Zombie laufe ich unter Maske und Fecht Mpi zurück . Hinlegen , in Anschlag gehen
mit der Waffe. Maske abnehmen im Liegen. Jetzt aufstehen und die Maske
verpacken. Das Herz pumpt. Auf zur nächsten Runde...

Bis zum Jahr 1983 hatte ich das
Ding , ab 1984 gab es das neue Modell aus CSSR TSM 10. Genauso ekelig .
Bis zum heutigen Tage zehre
ich von Pönisch. Ich laufe die 3000 m als alter Mann mit fast 50 Jahren noch in
15 Minuten. OSL Pönisch ... Du hast es gut mit uns gemeint .
Peter s 11/ 2008
Norbert L .
schreibt :
Mein erster
Abfaller rückwärts, vom 3m Brett: A-zusammen* , Arme strecken, Knie durchdrücken
(das ist bei diesem Sprung das wichtigste) steif werden wie ein Stock und dann
nach hinten kippen lassen. Theoretisch alles klar, beim ersten mal alles falsch
gemacht, irgendwie ganz dumm aufgeklatscht und hatte danach ein blaues Auge.
Frage von jeden Lehroffizier: was haben sie gemacht, sich geprügelt? Antwort
nein gen OSL: beim Abfaller rückwärts in der Schwimmhalle passiert. und dann
immer die Frage: war wohl kein Wasser drin? Übrigens der Abfaller rückwärts war
danach meine leichteste Übung vom Brett, kann ihn immer noch .
* AZ
: Arsch zusammen
Erinnerungen an das
Feldlager Liberose
Eine ( für mich als Offiziersschüler lustige )
Begebenheit ereignete 1983 in Liberose. Die OHS ,
Sektion 6 ( Offiziersschule der Luftverteidigung aus
Kamenz ) verlegte nach Lieberose. Da waren die richtigen
Soldaten. Wir wollte auch mal so werden wie die... ( grins ).
Es gab einen Wolchow und einen NEVA . Es gab ein großes Zelt
. Darin war der Gefechtstand der Schule. Ein Rundsichtgerät ,
Plexiglasplatten ,
Planzeichner und" gaaaaaaahns" wichtige
Stabsschranzen...
Das Zielaufkommen beim Realflug war beeindruckend. Es flogen
deutsche und russische Maschinen . Die wollten zeigen , wer hier der Cheffe ist.
Wir Offz-Schüler haben wahrgenommen wie unser Sektions-Kdr-
Oberst Balcerowiak aus dem Zeklt heraus getragen wurde. Kreislauf.
Tun nicht , was eine Maschine besser kann als Du ...
Das war damals bereits bekannt und deckt sich mit heutigen
Erkenntnissen vom dynamischen Fla Raketengefecht : manuelle Führung von Fla
Raketenabteilungen , Zuweisung von Zielen nach Gefühl übersteigt alle
intellektuellen Ressourcen .Der Mensch muss versagen , es übersteigt jegliche
Vorstellungskraft Dafür gibt es Maschinen.
So etwas heißt heute SAMOC oder automatisches
Führungsystem.
Alle grinsen , es ist das Gespräch der nächsten Tage ... Der
Oberst hatte Kreislauf... , der Mensch kann komplexe Vorgänge unter Zeitnot und
Stress nicht bewältigen. Nach 20 Minuten war Schluss.... ( grins )
Für mich
persönlich habe ich etwas Erinnerung und Tradition aufbewahrt:
Die Geschichtsschreibung
über die NVA soll nicht der Bildzeitung überlassen sein. Deswegen
schreibe ich so gut ich kann. Ich selbst habe härtesten Dienst in der
Luftverteidigung verrichtet. In Feldlagern im Zelt oder im Gelände
übernachtet.
Märsche und Härteteste. Ich habe ABC Übungen und Entaktivierungs - Punkte " überlebt ".
Die Sturmbahn und die Napalm- Brandbahn habe ich nicht vergessen. Die
Ausbildung war kriegsnah. Darauf bin ich stolz.
Erlebte Härte in der
Ausbildung und Erlebnisse im Dienst begründen keine Tradition.
Ich habe Raketenschüsse in Russland erlebt. Die
Kadettenanstalt Offiziershochschule kann ich nicht vergessen. Hier wurden
Militärs geschmiedet. Davon zehre ich noch heute .
Das Leben beim Militär der NVA
war sehr hart. Alles war auf einen möglichen Abwehr - Krieg ausgerichtet.
Die "Rampenknechte" der
Startbatterie haben wie Tiere unter härtesten körperlichen Belastungen
geschuftet und Raketen auf die Rampe gekurbelt. Nachtverlegungen der
Feuerabteilung und Marsch über 250 Km in das Feldlager... Training Tag und
Nacht. Geschenkt haben wir uns nichts. Ausbildung muss weh tun: jeder in
der Ausbildung vergossene Tropfen Schweiß - kann Tropfen Blut sparen.
Die Funktechnische Kompanie fasste unter
unglaublichen psych. Belastungen mit der Raketenleitstation Luftziele auf und eröffnete das Feuer.
Planzeichner stellten die Luftlage dar, der Schiessende beurteilte die Luftlage
und trug Verantwortung über zu verteidigende Schutzobjekte.
Der selbst
gewählte Anspruch war sehr hoch : jeder anfliegende Luftgegner wird
vernichtet.
Es
macht mich noch heute stolz bei der Luftabwehrtruppe 10 Jahre ehrlichen
Job geleistet zu haben.
Für mich ist es Tradition, .... Menschen zu berichten , was ich erlebt
habe und wie ich die NVA heute wahrnehme . Leider ist außer einigen Bildern und
Ausrüstungsgegenständen wenig geblieben.
Wer schreibt , der bleibt.
©
2008- 2009 Skarus
DHS in
der Fla Raketentruppen
Oberst AD Biederman
Zum Sturm - vorwärts!
- Start aus dem Schützenloch
- Im Sommer gleiten durch die Betonröhren, im Winter Übersteigen der Stahlhürden
- Im Sommer Überspringen des "Wassergrabens
- Hochklettern am Vertikaltau und Hangeln am Seil
- Eskaladierwand
- Überwinden der Dreierkombination Betonröhre-Stempel-Betonröhre
- Fuchsbau
- Im Sommer Sprung über den Graben und durchkriechen des Kellerfensters
- Bezwingen der Häuserwand im Winter durch das untere Fenster; im Sommer mittels
Tau durch das obere Fenster, balancieren auf dem schmalen Steg, Absprung über 3
Betonelemente nach unten
- Überwinden der Wippe
- Handgranatenweitwurf
- Rein ins Schützenloch und Schutzmaske aufsetzen
- Rücklauf unter aufgesetzter Schutzmaske
- An der Ziellinie in Stellung gehen, Fecht-MPi in Anschlag, und auf das
"Entwarnung" warten.
Die Länge der Sturmbahn beträgt
200m. Der Rücklauf fließt in die Zeit ein und ist mit aufgesetzter TSM
(Truppenschutzmaske) zu absolvieren...
Sturmbahn Winter - Note 1 3:10 min; Note 2 3:35 min; Note 3 4:25 min
Sturmbahn Sommer - Note 1 4:20 min; Note 2 4:55 min; Note 3 5:50 min.
Die Länge der Sturmbahn beträgt 200m. Der Rücklauf fließt
in die Zeit ein und ist mit aufgesetzter TSM
(Truppenschutzmaske) zu absolvieren...
Sturmbahn Winter - Note 1 3:10 min; Note 2 3:35 min; Note 3 4:25 min
Sturmbahn Sommer - Note 1 4:20 min; Note 2 4:55 min; Note 3 5:50 min.

1 Startlöcher,
2 Kriechhindernis aus Betonelementen (Ringe) - nur Sommer,
3 Steighindernis - nur Winter,
4 Wassergraben,
5 Klettergerüst (nur Sommer)- am Vertikaltau nach oben, am Horizontaltau bis
zur Mitte und abspringen,
6 Eskaldierwand,
7 Sprungpodest,
8 Fuchsbau (Tunnelröhre mit Ein- und Ausstieg)
9 Grabenhürde, durch das obere Fenster
10 Gibelwand mit Sprungpodest - im Sommer am Seil zum oberen Fenster klettern
und dann über Sprungpodest, im Winter durch das untere Fenster flanken,
11 Wippe
12 Schützenloch, Handgranatenzielwurf zum Wurfgraben (13) max. drei Versuche,
Mindestweite 32 m, dann ins Schützenloch Schutzmaske aufsetzen und im Sprint
zurück zum Ausgangspunkt
Für Offziersschüler ab 3. Lehrjahr galten folgende Normen:
Winter - Note 1 2:55 min; Note 2 3:20 min; Note 3 4:05 min
Sommer - Note 1 4:10 min; Note 2 4:45 min; Note 3 5:25 min
Eskaladierwand
Fuchsbau
Hochtau
Hauswand
nach unten
Kriechhindernis
Handgranaten ...- Wurf !
Es gibt
Literatur über die NVA
Im Buch über die Fla Raketentruppen der NVA
beschreiben 2 Autoren die Entwicklung dieser Waffengattung .
Peters wird als Quelle erwähnt.

persönliche Widmung.