Der 2. Vietnam-Krieg ab dem Jahre 1965 fand nicht mehr als lokaler Konflikt statt. Er tangierte vor allem die strategischen Interessen und die zwischenstaatlichen Beziehungen der UdSSR, der VR China und der USA . Seit den 60er Jahren vollzogen sich in der kommunistischen Weltbewegung Veränderungen. Nachdem sich Jugoslawien in den 40er Jahren dem sowjetischen Führungsanspruch entzogen hatte, folgten in den 50er Jahren weitere Versuche osteuropäischer Staaten. Den radikalsten Bruch zur Sowjetunion vollzog Albanien, während z.B. Rumänien einen moderat kritischen Kurs gegenüber der Sowjetunion zu praktizieren begann . Unmittelbar nach Ausbruch der Kampfhandlungen nach dem Tonking-Zwischenfall waren die Sowjetunion und die VR China und die USA bestrebt, über diplomatische Kanäle die Absicht der jeweils anderen Seite in Erfahrung zu bringen. Für die VR China ging es darum, eine militärische Bedrohung Chinas im Ergebnis einer Konflikteskalation abzuwenden, aber auch den USA zu zeigen , wo die Grenzen liegen, bei deren Überschreitung China in den Konflikt eingreifen würde. Die USA ihrerseits hatten China vor einem aktiven Eingreifen in den Konflikt gewarnt und mit militärischen und nichtmilitärischen Aktionen gegen China gedroht. Beim Tonkin-Zwischenfall wurde angeblich (im Golf von Tonkin vor der Küste des damaligen Nordvietnam im August 1964 ) ein US-amerikanisches Kriegsschiff in ein Gefecht mit nordvietnamesischen Schnellbooten verwickelt . Der Zwischenfall wurde von der US-amerikanischen Regierung um Lyndon B. Johnson als Vorwand für die offizielle Beteiligung der USA an den damals stattfindenden Feindseligkeiten zwischen den beiden Landesteilen benutzt, die sich in der Folge zum Vietnamkrieg (1965–75) ausweiteten. 1971 veröffentlichte der Pentagon-Mitarbeiter Daniel Ellsberg einen als Pentagon-Papiere bekannt gewordenen Bericht, der die Darstellung des Zwischenfalls durch die frühere Regierung als bewusste Falschinformation entlarvte. Zu diesem Zeitpunkt hatten der Krieg in Vietnam und die US-amerikanische Beteiligung bereits ihren Höhepunkt erreicht. Am 30. November 2005 gab der US-Geheimdienst NSA geheime Dokumente frei und bestätigte damit indirekt, aber offiziell, dass der Vietnamkrieg infolge einer Falschmeldung an US-Präsident Johnson begann. Nach Beginn des Luftkrieges der US Airforce gegen die DRV verstärkte die VR China ihre Verteidigungsanstrengungen, besonders in den südlichen Militärbezirken und forcierte die Rüstungsproduktion und ihr militärisches Nuklear- und Raketenprogramm. China baute vor allem in Südchina militärische Flugplätze aus und verstärkte die Präsenz der Luftstreitkräfte in diesem Raum. China verlegte nach dem Tonking-Zwischenfall ein Geschwader MIG 17 nach Vietnam .Dadurch entstand im Pentagon der Eindruck, dass die VR China die Luftverteidigung der DRV übernehmen würde. Die USA drohten mit Vergeltungsschlägen gegen chinesisches Territorium. Washington musste das Risiko einer Eskalation bedenken, das sich aus dem Fortbestand des chinesisch-sowjetischen Beistandspaktes von 1950 ergab . Im Juli 1965 lehnte die VR China alle gemeinsamen Aktionen mit der Sowjetunion ab. Offen war die Frage der Landtransporte von Hilfsgütern für Vietnam über chinesische Transportwege. Nach langwierigen Beratungen wurde ein für alle Seiten akzeptabler Weg gefunden. Am 5.12.1965 schlossen die VR China und die DRV ein Abkommen über den Transit von Gütern nach Vietnam. D.h., Vietnam übernahm diese Hilfslieferungen formal bereits auf dem Territorium der "Spendernation", so dass diese Güter dann als vietnamesisches Eigentum chinesische Transportwege passierten. Laut Abkommen war die chinesische Seite bereit, den Transport von Waffen, Munition und anderen Rüstungsgütern kostenlos per Bahn zu gewährleisten. Andere Hilfsgüter sollten per Schiff nach Vietnam gelangen. Mit Beginn des Bombenkrieges der US Airforce im Februar 1965 wurden die Luftverteidigungskräfte der DRV vor eine unvorbereitete Aufgabe gestellt. Die US Airforce operierte z.B. in Höhen, die von den verfügbaren bodengestützten vietnamesischen Abwehrmitteln nicht erreicht werden konnten. Die Sowjetunion und andere sozialistische Staaten stellten zwar moderne Luftverteidigungsmittel zur Verfügung, darunter moderne Luftabwehrraketen und die dazugehörigen elektronischen Systeme zur frühzeitigen Zielerfassung, Zielverfolgung und effektiver Zielbekämpfung. Doch es gab zu dieser Zeit in den vietnamesischen Streitkräften nur sehr wenige Spezialisten, die eine solche Technik handhaben und im Komplex führen konnten. In dieser Situation bot die DDR die Entsendung von Freiwilligen aus den Reihen der Luftverteidigungskräfte der NVA an, die die Ausbildung vietnamesischer Offiziere und Soldaten de facto nach dem Prinzip learning by doing übernehmen sollten. Die DDR verfügte im Warschauer Vertrag über das dichteste Luftverteidigungssystem und hatte einen anerkannt hohen Ausbildungsstand. Die DRV lehnte den Einsatz von Freiwilligen ab, bat jedoch um Ausbildungshilfe und um ausgewählte Spezialisten für den Aufbau und die Organisation eines modernen Luftverteidigungssystems. 1965 entsandte die NVA Berater für den Aufbau und die Organisation eines komplexen Luftverteidigungssystems, darunter Spezialisten für den Einsatz von Luftabwehrraketen. Parallel dazu wurden vietnamesische Offiziere in der DDR ausgebildet. Ein ernstes Problem war deren begrenzte physische Leistungsfähigkeit bei der Lastenbewegung. Die vietnamesischen Luftverteidigungstruppen benötigten darum z. T. den doppelten Personalbestand, um die technisch-taktischen Normen der NVA zu bewältigen. Trotz aller Schwierigkeiten gelang es in kurzer Zeit, in Nordvietnam ein Luftverteidigungssystem aufzubauen, das auch nach westlicher Beurteilung nach der DDR das zweitdichteste System der östlichen Seite war. Die vietnamesischen Offiziere und Soldaten erwiesen sich nicht nur als extrem einsatzbereit, sondern auch als außerordentlich schnell lernfähig, wodurch der geplante Zeitaufwand unterboten werden konnte.